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Institut für Musikpädagogik Graz

6. Grazer Musiktherapietag

„Heimat Musik“ – Projekte zwischen Wirkung, Forschung und Kultur

 

In Zeiten großer Migration von Menschen entsteht oft die Frage, was Heimat gibt, was wir mitnehmen, was bleibt. Musik ist für viele eine Verbindung zu ihrer Tradition, ihrer Lebensweise und zu persönlichen Erinnerungen. Die Klänge und Weisen der Heimat schaffen Vertrautheit und helfen, Verlust, Angst und Ungewissheit zu mildern, aber auch neue Kontakte zu knüpfen. Klang und Rhythmus in der Stimme geben ganz früh Heimat in uns selbst und sind unmittelbar mit unseren ersten Bezugspersonen verbunden. Heimat finden in und mit Musik ist nicht zuletzt auch eine der Wurzeln der Musiktherapie.

Die 6. Tagung der Grazer Ausbildung Musiktherapie GRAMUTH (Interuniversitärer Universitätslehrgang Musiktherapie) an der Kunstuniversität Graz hatte sich diesmal der aktuellen Frage von äußerer und innerer Heimat in Zeiten hoher Migrationsbewegungen gestellt. Es wurden der Begriff „Heimat“ und musikalische Sozialisation beleuchtet und unter verschiedenen Blickwinkeln wie Anthropologie, frühkindliche Perspektive, persönliche Erfahrung als Musiktherapeutin in einem fremden Land und musiktherapeutische Arbeit mit Flüchtlingen behandelt.

Bernhard Gritsch

 

Susanne Krainz

 

Monika Glawischnig-Goschnik, Urs Rüegg, Christian Münzberg

 

Die Tagung wurde dieses Jahr mit Grußworten von Frau DDr.in Susanna Krainz eröffnet.

Für den Hauptvortrag konnte Prof. Dr.rer.sc.mus. Fritz Hegi-Portmann als Gründungsvater und wohl bekanntester Vertreter der Schweizer Musiktherapie gewonnen werden, der in einem aktiv mitnehmenden Vortrag wesentliche Aspekte von gefühltem Heimatbewusstsein spürbar werden ließ.

Die hochsensiblen Empfindungen von ursprünglicher Heimat bereits im Mutterleib im Sinne ozeanischer Erfahrung wurden durch Mag.a art. Leslie Schrage-Leitner vorgestellt. Zwei Blickwinkel als selbst nach Slowenien migrierte Therapeutin durch Dipl. Musiktherapeutin Claudia Knoll MA und die Projektvorstellung „Musik und Flüchtlinge“ durch Univ.-Prof. Dr.med Dr. sc.mus. Thomas Stegemann und Mag.a art. Dr.in sc.mus. Edith Wiesmüller zeigten eindrucksvoll, wie intensiv sich Fragen von Heimatgefühl und Musik verbinden und therapeutisch aufgegriffen werden können.

Edith Wiesmüller

 

Claudia Knoll

 

Leslie Schrage-Leitner

Das Abendprogramm gestaltete Ismael Barrios, der mit viel Power einen Drumcircle durchführte. Es war was los in der Hütte…

 

Neu war dieses Jahr die Einleitung der Plenardiskussion durch zwei zusätzliche Impulsvorträge von Dr. med. Urs Rüegg und stellvertretend für Prof. (FH) Priv.Doz. Mag. Dr. Gerhard Tucek von Dr. med. univ. Patrick Simon als designiertem neuen Leiter der Kremser Studiengänge.

Urs Rüegg

 

Patrick Simon

 

Gruppenbild

 

Die Tagungsleitung lag in bewährter Weise beim Leitungsteam mit Dr.in med.univ. Monika Glawischnig-Goschnik, Dipl.Musikth. Dipl.Soz-päd. (FH) Christian Münzberg und Dr. med. Urs Rüegg sowie dem Lehrgangsleiter Ao Univ.-Prof. Mag. Dr. Bernhard Gritsch. Wir danken den tollen Referentinnen und Referenten. Alle Workshops waren gut besucht. Wir danken auch erneut den zahlreichen freiwilligen studentischen und weiteren Helferinnen und Helfern der GRAMUTH und dem Bürgermeisteramt der Stadt Graz für die Bereitstellung des schmackhaften Buffets.

 

Das Programm im Einzelnen:

Eröffnungsvortrag:

Prof. Dr. rer.sc.mus. Fritz Hegi-Portmann, Zürich: In meiner Heimat bin ich zu Hause

Impulsvorträge zu den Themen der Kleingruppen:

Univ.-Prof. Dr.med. Dr. sc.mus. Thomas Stegemann und Mag.a art. Dr.in sc.mus. Edith Wiesmüller: „Musik und Flüchtlinge“ – Projektvorstellung

Dipl.-Musiktherapeutin (FH) Claudia Knoll MA: Ich, Fremde, in der Musiktherapie ­ Erfahrungen mit Sprach- und Heimatlosigkeit

Mag.a art. Leslie Schrage-Leitner und Dr. med. Urs Rüegg: Summen, Murmeln, Flüstern, Zirpen, Rauschen –­ stationäre Musiktherapie mit Neugeborenen

 

Themen der Kleingruppen:

  • Fritz Hegi-Portmann / Christian Münzberg: Das Fremde in der Improvisation
  • Thomas Stegemann / Edith Wiesmüller / Anja Schäfer: Musiktherapie mit (traumatisierten) Flüchtlingen – Stabilisierung und Ressourcenaktivierung
  • Claudia Knoll / Monika Glawischnig-Goschnik: Zwischen den Kulturen ­– Musiktherapeutische Arbeit eine Deutschen in Bosnien-Herzegowina und Slowenien
  • Leslie Schrage-Leitner / Urs Rüegg: Die Begegnung mit dem „Ozeanischen Gefühl“ in der Musiktherapie mit Neu- und Frühgeborenen und mit Erwachsenen

 

Abendprogramm:

Ismael Barrios: Rhythmus und Percussion ­– Drumcircle

Impulsvorträge zur Plenardiskussion:

Dr. med. Urs Rüegg, Stäfa: Urheimat Schweigen – Projekt zwischen Stille, Musik und Leiblichkeit

Dr. med. univ. Patrick Simon, Krems: Heimat Musik – Musikalische Biografie und lernende Kultur

 

Wir freuen uns über die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den verschiedenen Ländern, die uns mit ihrer Lebendigkeit und Musikalität so sehr bereichern! Vielen Dank an alle!

© Fotos: Christian Münzberg, GRAMUTH

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