Instrumente und musikalische Vorkenntnisse:

 

F: Sind alle Instrumente für die Musiktherapie und die Ausbildung zugelassen?

A: Die Musiktherapie verwendet je nach Schulrichtung meist verschiedenste Instrumente, um den jeweiligen emotionalen oder psychischen Zuständen Ausdruck zu verleihen. Einschränkungen bestehen für die Ausbildung grundsätzlich nicht. Klavierkenntnisse sind günstig. Es wird für die Zulassungsprüfung jedoch auf eine eher vielseitige Musikalität auf einem mittleren technischen Niveau Wert gelegt.

 

F: Gilt die Stimme als ein Instrument?

A: Die Stimme ist in der Musiktherapie sehr wichtig und wird sowohl mit eigenen Lehrveranstaltungen gefördert als auch in der Zulassungsprüfung geprüft. Hier gilt sie einerseits analog zu einem Einzelinstrument, andererseits wird sie in einer Liedbegleitung auch auf ihre Ausbildung hin begutachtet.

 

F: Wie gut müssen meine Kenntnisse auf Instrumenten sein?

A: Grundsätzlich sehen wir es gern, wenn musikalische Interessen bereits vorab vorhanden sind und das Musizieren zum künstlerischen Ausdrucksmittel der BewerberInnen zählt. Die Zulassungsprüfung sieht ein mittleres Niveau vor, das der Mittelstufe der österreichischen Musikschulen entspricht. Es gibt unter www.komu.at eine Auflistung für verschiedenste Instrumente, in denen Vorschläge für das Vorspiel zu finden sind (Komu Startseite > Lehrplan > Literaturteil > nach Instrument > Auswahl: Instrument > Filter: Mittelstufe). Auch Jazzstücke oder eigene Kompositionen können vorgestellt werden, wenn sie weitgehend diesem Niveau entsprechen.

Wenn noch weniger Übung vorhanden ist, empfehlen wir, vorab noch Einzelunterricht zu nehmen, da zumindest ein Instrument in flüssigem Vortrag vorgestellt werden muss. Zur Liedbegleitung ist ein Harmonieinstrument (Klavier, Gitarre o.ä.) vorzuspielen.

Sollte in der Zulassungsprüfung ein mangelhafter Vortrag, aber dennoch eine Zulassung aufgrund anderer sehr guter Prüfungsbestandteile vorliegen, behalten wir uns besondere zusätzliche Vereinbarungen zur Ergänzung der musikalischen Fertigkeiten vor.

 

 

Alter, Psychische Verfassung, Berufslaufbahn und andere Voraussetzungen:

 

F: Gibt es Einschränkungen hinsichtlich des Alters?

A: Aus Erfahrung mit den Anforderungen an Selbsterfahrung, Reflexionsfähigkeit und persönlicher Belastbarkeit in einem anspruchsvollen Studium mit psychotherapeutischen Schwerpunkten und integrierter Lehrtherapie wissen wir, dass ein zu früher Beginn nach der Matura manchmal erhebliche Auswirkungen haben kann. Eine gewisse persönliche und berufliche Reife ist für eine derartige Berufsausbildung von Vorteil. Eine Altersbeschränkung ist jedoch nicht vorgesehen. Allerdings erfordert die Ausbildung die Bereitschaft, an der eigenen Persönlichkeit zu arbeiten.

 

F: Kann ich einen solchen Beruf ausüben, wenn ich selbst in krisenhaften Lebensumständen stecke?

A: Wenn die Situation in ihrem Fortgang nicht abzusehen ist und erhebliche gesundheitliche (auch psychische), finanzielle, partnerschaftliche oder familiäre Belastungen eine Konzentration auf die Ausbildung beeinträchtigen oder zu schwerwiegenden Entscheidungen führen würde, ist wohl eher abzuraten und ein späterer Zeitpunkt zu wählen. Eine gewisse Beständigkeit in der beruflichen Laufbahn und persönlichen Entwicklung kann im Auswahlprozess ein Kriterium sein.

 

F: Kann ich auch aus einem anderen Beruf heraus, der nicht mit Musik oder Psychologie zu tun hatte, in diese Ausbildung kommen?

A: Grundsätzlich ja. Wir empfehlen, sich durch Praktika und Hospitationen sowie Selbsterfahrung, Einzel oder/und Gruppentherapie und Kurse ein Bild von dem Berufsbild zu machen und zu prüfen, ob dies tatsächlich den eigenen Neigungen und Voraussetzungen entspricht. Hierzu bieten sich auch die Pick-Up-Kurse (www.impg.at) an. Für Selbsterfahrung können Sie gern ebenfalls bei uns anfragen.

 

F: Muss ich bereits Selbsterfahrung oder eine eigene Therapie absolviert haben?

A: Es ist unbedingt von Vorteil, sich eigene Lebenseinstellungen und Beziehungsmuster bereits möglichst bewusst gemacht sowie persönliche biografische Erfahrungen weitgehend verarbeitet zu haben. Hierzu kann Selbsterfahrung oder vielleicht bereits eine Psychotherapie zuvor manchmal sehr hilfreich sein. Es wird sehr dringend empfohlen, einige Stunden an musiktherapeutischer Einzel- und/oder Gruppen-Selbsterfahrung durchlaufen zu haben, um einen wirklichen Einblick oder zumindest eine deutliche Vorstellung in musiktherapeutisches und psychotherapeutisches Denken und Handeln in die Ausbildung mitzubringen. Es gibt eine Reihe von Fortbildungsveranstaltungen verschiedener Institutionen, die für einen Einblick geeignet sind, so z.B. die Pick-Up-Kurse "Basis Musiktherapie" und "Praxis Musiktherapie" unter www.impg.at. Weitere Institutionen finden Sie unter dem Button "Links". Eigenverantwortliche MusiktherapeutInnen in freier Praxis finden Sie unter http://www.oebm.org/service/service.html.
 

F: Wären Vorpraktika sinnvoll?

A: Jawohl. Grundsätzlich sind praktische Vorerfahrungen durch Hospitationen, Kurzpraktika oder durch bereits eigene Berufstätigkeit in sozialen Bereichen durchaus hilfreich, um eine Vorstellung für die späteren beruflichen Arbeitsfelder zu entwickeln. Leider sind in der Steiermark derzeit bisher nur wenige solcher Möglichkeiten für Musiktherapie vorhanden und diese sind oft durch Studierende der bestehenden Ausbildungen bereits in Anspruch genommen. Daher sind Kurzpraktika oder Hospitationen in sozialen Einrichtungen auch ohne dort vorhandene MusiktherapeutInnen vorerst eine sinnvolle Alternative. Es lohnt sich vielleicht auch, bei Institutionen in anderen Bundesländern für musiktherapeutische Vorpraktika nachzufragen. Der Österreichische Berufsverband der MusiktherapeutInnen ÖBM bietet hierzu sicher Auskunft an.

 

 

Zulassungsprüfung:

 

Die Zulassungsprüfung beinhaltet mehrere Teile:

 

1. Gruppenprüfung Improvisation

a. Gruppenimprovisation am Anfang und am Ende der Gesamtprüfung

b. Duettspiel in der Gruppe

 

2. Musikalische Einzelprüfung:

a. Ein Stück eigener Wahl auf dem eigenen Hauptinstrument; KOMU Mittelstufe, auch Jazzstück oder eigene Komposition mit ähnlichem Schwierigkeitsgrad möglich

b. Gesangsprüfung durch ein Stück eigener Wahl mit eigener Begleitung an einem Harmonieinstrument, möglichst Klavier oder Gitarre, Blattsingen

c. Kurzes Blattspiel einer einfachen Melodie

d. Einfache Rhythmusprüfung

e. Musiktheoretische Prüfung und Gehörtest

  • Grundkenntnisse der Notation (Noten, Notenschlüssel, Abkürzungen, Transponieren, Vortragsbezeichnungen: Dynamik, Charakteristik, Tempo, Artikulation, Technik, assoziative Angaben)
  • Rhythmuslehre (Notenwerte, Takt, Metrik, Tempobezeichnungen)
  • Harmonik / Harmonielehre (Akkordarten und –aufbau, Akkordanalyse: Lage, Umkehrungen v.a. von Dreiklängen und Septakkorden, Benennungssysteme, Quintenzirkel)
  • Intervall- und Skalenlehre (modal, dur-moll-tonal, Pentatonik, Bluestonleiter)

3. Einzelprüfung Improvisation

a. Improvisation über ein Stichwort oder ein Bild

b. Improvisation mit einem der beiden PrüferInnen als Rollenspiel

 

4. Eignungsgespräch

a. Motivation, Selbsteinschätzung, psychische Belastbarkeit

b. Vorerfahrungen oder Praktika im Bereich sozialer Einrichtungen und besonders der Musiktherapie als Einzel- und/oder Gruppenselbsterfahrung

c. Persönliche Hintergründe für die Wahl des Lehrganges in Graz

d. Abklärung der Realitätsebene wie der beruflichen und finanziellen Sicherheit und der Unterstützung durch Familie und/oder LebenspartnerInnen

 

Berufsfeld Musiktherapie:

 F: Wie und in welchen Bereichen kann ich Musiktherapie später anwenden?

A: Die Musiktherapie wird als Methode in verschiedensten klinischen Bereichen wie auch ambulant angewandt. Sie kann je nach Anforderung gut auf die jeweilige Klientel bzw. PatientInnen abgestimmt werden. Besonders geeignet ist sie überall, wo Menschen mit psychischen, Beziehungs- und Kommunikationsproblemen belastet sind oder Fragen einer Persönlichkeitsentwicklung aktuell geworden sind. Als Beispiel wären PatientInnen mit allen Arten von psychiatrischen Erkrankungen, psychosomatischen Leidenszuständen, Persönlichkeitsstörungen, Schlaganfall oder Schädel-/Hirntrauma, Autismus, demenzielle Erkrankungen oder geistig und körperlich mehrfachbehinderte Kinder zu nennen. Aber auch jede einfachere Form von persönlicher Belastung z.B. durch negative Beziehungserfahrungen oder allgemeine psychotherapeutische Fragestellungen können kurativ oder präventiv für Kinder und Erwachsene als Arbeitsbereich für MusiktherapeutInnen gesehen werden.

 

F: Zu welcher Berufsberechtigung führt der Abschluss der Grazer Ausbildung?

A: Sie erwerben einen Lehrgangs-Abschluss, der von der FH Krems als gleichwertig zum dort stattfindenden Bachelorstudiengang anerkannt wurde. Mit dieser Gleichwertigkeitsanerkennung können Sie die Eintragung in die gesetzliche Musiktherapeutenliste beantragen und erwerben damit die Berufsberechtigung zur sogenannten mitverantwortlichen Ausübung der Musiktherapie. Diese darf nur in Institutionen unter Supervision eines/r eigenverantwortlichen Musiktherapeuten/in durchgeführt werden. Für die eigenverantwortliche Berufsberechtigung benötigen Sie einen Masterabschluss der FH Krems oder den Diplomabschluss der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien oder entsprechende als gleichwertig anerkannte ausländische Abschlüsse (z.B. Masterstudiengang Augsburg). Der Abschluss des Universitätslehrganges Musiktherapie in Graz wird von der FH Krems für die Zulassung zum Masterstudiengang anerkannt.